Behandlung von Descensus genitalis

Der Descensus genitalis (Beckenbodensenkung) bezeichnet das Absinken von Blase (Zystozele), Rektum (Rektozele), Dünn- und/oder Dickdarm (Enterozele), Vagina (Descensus vaginae) oder Uterus (Descensus uteri) – meist verursacht durch geschwächtes Bindegewebe. Im extremsten Fall kann es zu einem Genitalprolaps kommen - einer Ausstülpung der Organe.

Die Bindegewebsschwäche kann beispielsweise durch vaginale Geburten, eine genetische Prädisposition oder altersbedingt auftreten. Auch schwere körperliche Arbeit, Adipositas, Nikotinabusus oder chronische Obstipation erhöhen das Risiko für einen Deszensus.

Therapieziel: mehr Lebensqualität

In der Regel schränkt ein Descensus genitalis die Lebensqualität der betroffenen Frauen erheblich ein: er wirkt sich oft auf die Blasen- und Darmfunktion aus, auch die Sexualität sowie die körperliche und soziale Aktivität können darunter leiden. Ein Fremdkörpergefühl, Ziehen im Unterleib und das Gefühl der Senkung sind ebenfalls typische Symptome.

Ziel einer Therapie ist daher nicht nur die Rekonstruktion der physiologischen Anatomie, sondern vor allem die Wiederherstellung der Lebensqualität für die Betroffenen.

Mögliche Therapien

Ein Genitaldeszensus kann mit verschiedenen konservativen und operativen Methoden therapiert werden. Operative Eingriffe sind bei einem Descensus genitalis im Regelfall jedoch nicht die erste Wahl. Zunächst gilt es, konservative Optionen auszuschöpfen. 

Konservativ

  • Klinische Beobachtung
  • Abbau bekannter Risikofaktoren wie Adipositas, Nikotinabusus und chronische Obstipation
  • Beckenbodentraining
  • Lokale Östrogenisierung der Vagina
  • Pessartherapie

Erst wenn all diese Therapien nicht greifen oder der Leidensdruck der Betroffenen sehr hoch ist, sollte ein operativer Eingriff in Erwägung gezogen werden. 

Operativ

Die gängigsten operativen Eingriffe sind:

  • Kolporrhaphie/Scheidenplastik
  • Operationen mit synthetischen oder biologischen Materialien
  • Paravaginale Defektkorrektur (vorderes Kompartiment)
  • Sakrokolpopexie (mittleres Kompartiment)
  • Sakrospinale Fixation (mittleres Kompartiment)

Wie geht man bei der Wahl der Therapie vor?

Für die Auswahl der geeigneten Therapie beim Genitaldeszensus ist im ersten Schritt eine umfassende Diagnostik und korrekte Indikationsstellung entscheidend. Darüber ist die ausführliche Betrachtung der individuellen Bedürfnisse der Patientin entscheidend – die Patientin muss vollumfänglich befragt (Befinden und Rahmenbedingungen) und beraten werden. Die Auswahl der geeigneten Behandlungsmethode sollte immer in enger Abstimmung mit der Patientin persönlich und mit dem einweisenden Arzt erfolgen. 

Ist die operative Therapie indiziert, sollte das geeignete OP-Verfahren nach sorgfältiger Aufklärung der Patientin über alle möglichen OP-Verfahren mit Zugangswegen, Chancen und Risiken und nach Berücksichtigung der Erfolgsprognosen und ärztlichen Fähigkeiten ausgewählt werden. Für eine erfolgreiche Operation sind dann optimale Materialien genauso entscheidend, wie das prä- und postoperative Komplikationsmanagement. Unter Umständen ist für die Durchführung der OP die Zusammenarbeit mit einem Kompetenzzentrum sinnvoll.1 

Operative Behandlung mit synthetischen Netzimplantaten im vorderen Kompartiment

Eine operative Therapie mit dem Einsatz von Netzimplantaten im vorderen Kompartiment kann bei folgenden Patientinnen diskutiert werden:1 

  • Stark ausgeprägter Deszensus
  • Rezidiv-Deszensus
  • Co-Morbidität
  • Levatorabriss
  • Hoher Bedarf hinsichtlich einer anatomisch stabilen Korrektur

Varianten synthetischer Netze

Es gibt im Wesentlichen drei verschiedene Gruppen von Netzimplantaten.

  • Mehrarmnetze: Diese werden transvaginal eingebracht. Die Arme werden mittels entsprechend geformter Instrumente in geeigneten Strukturen (Arcus tendineus fasciae pelvis oder z. B. Sakrospinales Ligament) gezogen und so sicher fixiert.
  • Single-Incision-Netze: Diese werden ebenfalls transvaginal eingebracht und punktuell mit Ankern oder Nähten in geeigneten Strukturen verankert.  
  • Armlose Netze: Diese werden meist laparoskopisch, z. B. zur Sakrokolpopexie, eingebracht.

Allen Varianten gemein ist, dass moderne Typ-1-Netze (Monofilament, makroporös, low-weight) aufgrund der niedrigeren Netzkomplikationsraten den multifilamentären Netzen überlegen sind.1

Einsatz Mehrarmnetz TiLOOP® Total 6

Vorteile der Mehrarmnetze

Der Einsatz von Mehrarmnetzen ist im Vergleich zu Single-Incision-Netzen mit einer aufwendigeren Operation verbunden. Doch bringt diese vor allem bei ausgeprägten oder rezidivierenden Vorfällen und bei einem hohen Sicherheitsbedürfnis der Patientin bezüglich der anatomischen Korrektur viele Vorteile.

  • Sie können die Lebensqualität dauerhaft verbessern.
  • Sie können ein anatomisch stabiles Resultat erzielen.
  • Sie können die Drang-Inkontinenz verringern.
  • Sie können ein sehr niedriges Rezidivrisiko haben.

Für das titanisierte Netzimplantat TiLOOP® Total 6 konnten diese Vorteile in einer der größten Studien in diesem Anwendungsbereich an 289 Patientinnen belegt werden. 

Zur Studienzusammenfassung

Experteninterview

Dr. Christian Fünfgeld im Gespräch über Zystozelen-Korrektur.

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